Odyssee anstatt Triumph

Geplante Ankunftszeit im Athletenhotel in Zeulenroda: ca. 19.30. Tatsächliche Ankunftszeit: Mitternacht. Effektive Reisezeit: 11.5 Stunden.

Trotzdem fühlte ich mich beim heutigen Meeting im Osten Deutschlands recht gut und freute mich, den kompletten Anlauf einem ersten Härtetest zu unterziehen. Doch erst beim Einspringen auf der Anlage merkte ich, dass ich den Körperschwerpunkt meist zu tief hatte und im Step-Sprung einfach zu wenig Dampf aufbauen konnte. Also konzentrierte ich mich während dem Wettkampf voll und ganz auf diese zwei Aspekte. Dass einerseits der Wind dann jedoch bei jedem Versuch wechselte und andererseits das Absprungbrett sehr weich war und alle Athleten Mühe damit bekundeten, die Geschwindigkeit in den Sprung mitzunehmen, machten die Konzentrationsversuche um einiges schwerer.

Sobald ich den Körperschwerpunkt einigermassen auf die Reihe kriegte übertrat ich gut einen Fuss über das Brett, was mir in dem Masse normalerweise nicht passiert.

Schlussendlich waren die Beine dann doch von den gestrigen 5 Stunden Stau auf der deutschen Autobahn – verteilt auf 3(!) Staus – weichgekocht und erinnern mich daran, dass eine Reise ins Trainingslager nach Italien kürzer dauern kann als diejenige nach Zeulenroda. Aus diesem Grund mache ich mir gar keine grossen Gedanken, sondern versuche nochmals, am Wettkampf in Winterthur anzuknüpfen und den kompletten Anlauf umzusetzen. Die allgemeine Formkurve zeigt allerdings gut nach oben, es bedarf einfach noch ein paar mehr Wettkampfsprüngen.

Morgen gehts nach Hannover, wo im Nachbarort Garbsen am Sonntag das Springer Meeting ansteht

Schneller, aber noch nicht weiter

15.77 sind zwar nicht gerade der Rede Wert, aber die Distanz war mir beim Test-Wettkampf gestern Abend in Winterthur auch ziemlich egal. Wichtig war, die Form bestimmen zu können und die entscheidenden Mankos herauszuspüren, um die Ideen für den letzten Feinschliff liefern zu können.

Der grösste Unterschied zum letztjährigen Erstwettkampf war eindeutig die Geschwindigkeit. Ich komme nun mit einiges mehr an Tempo auf den Balken, was wahrscheinlich jedoch auch der Grund war, warum mir keine bessere Weite als im letzten Durchgang gelang, denn ich verpasste meist den Druckpunkt im zweiten Teilsprung und büsste so einen Grossteil der aufgebauten Geschwindigkeit wieder ein. Auch war der Grossteil der Sprünge etwas zu flach geraten. Im vierten Versuch gelang es mir allerdings, den Schwerpunkt recht gut zu treffen, wodurch es gleich einiges weiter ging, ich aber noch nicht ganz in der Lage war, den Sprung halten zu können. Im letzten Versuch schlussendlich konnte ich von der Distanz her im ersten Teilsprung praktisch die gleiche Weite erzielen wie letzte Saison beim besten Wettkampf.

Nun gilt es in den nächsten beiden Trainings die letzten Zellen noch zu aktivieren und zusammenzusetzen, um ab nächsten Donnerstag aus komplettem Anlauf Vollgas geben zu können.

Saisonausblick

Nach einem 10-tägigen Trainingslager auf Mallorca anfangs April hatte ich mich entschieden, gleich ein paar Tage länger zu bleiben und drei Strandtage im schönen Norden der Insel dranzuhängen.

Da ich nach einem intensiven Trainingslager (und der Mondo-Belag in Magaluf hatte es definitiv in sich) sowieso meist in eine kleine körperliche Depression falle, war dies keine schwierige Entscheidung; die Erholung mit gutem Wein und noch besserem Essen haben sich also mehr als gelohnt, denn die ersten Trainings in der Woche danach liefen sehr zufrieden stellend.

Heute nun beginne ich meine Sommersaison mit dem Abendmeeting in Winterthur aus einem leicht verkürzten Anlauf, um mich noch genug auf die Technik konzentrieren zu können.

Es sieht so aus, als hätte ich mir für einmal genau den richtigen Tag ausgesucht, da das Wetter für morgen fast aus einer anderen Region zu kommen scheint (gut, kommt ja auch meist aus einer anderen Region, egal…)

Jedenfalls stehen heute die ersten beiden Teilsprünge im Zentrum, bevor es nächste Woche aus und mit vollem Anlauf nach Zeulenroda und nach Garbsen an zwei sehr gute Springermeetings geht.

So long, x

Die Adidas Farben 2012

Das neue Adidas Set ist soeben eingetroffen, bald gehts ab in die Druckerei für die einzelnen Logos. Wobei ich mir bei der Jacke doch noch kurz die Frage stelle, ob die Druckerei mit diesem ultradünnen Stoff überhaupt arbeiten kann, echt krass.

Man hat das Gefühl, dass man fast nichts anhat, so leicht ist der Stoff (Notiz an mich, immer überprüfen, ob ich auch wirklich etwas anhab, wenn ich auf den Wettkampfplatz gehe!). Mal schauen, ob mir die Farben rot (dynamisch, animalisch) und gelb (lebendig) noch einen extra Kick in der Sommersaison geben werden.

Presseschau zur Hallen-SM in St. Gallen

Artikel im TagesAnzeiger22.02.2012

Allerdings muss der Artikel noch ein klein wenig berichtigt werden. Ich habe meinen Anlauf nicht verkürzt, um mit mehr Dynamik auf den Balken zu kommen, sondern weil es für mehr Anlauf im Athletikzentrum einfach nicht reicht.

Ausserdem kamen die wettkampfnahen Trainingssprünge nicht darum zu kurz, weil ich in die Grundlagen Sprint und Kraft investiert habe, sondern weil ich den Wettkampf in Magglingen vor zwei Wochen nicht antreten konnte und mir so 6 Wettkampfsprünge in den Beinen fehlten.

Mit Jörg Grebs Einschätzung jedoch hinsichtlich der kommenden Sommersaison komme ich zu 100% zum gleichen Resultat:-) Die Leistung von der Hallen-SM waren nur gefühlte 50% dessen, was ich in den einzelnen Trainings teils rausgekitzelt habe.

Training mitten in der Nacht

Ungefähr so muss sich mein Körper an der gestrigen Schweizermeisterschaft in St. Gallen vorgekommen sein, denn der Start im Dreisprung war als erste Disziplin bereits auf 10 Uhr morgens angesetzt. Einen solchen Wettkampf hatte ich zwar letzten Juli in Brasilien bereits hinter mich gebracht, jedoch herrschten dort um 8 Uhr bereits 25 Grad im Schatten, was das Einlaufen damals einiges geschmeidiger machte.

Nicht so in St. Gallen, wo ich mich um 5 Uhr aus dem warmen Bett quälte und es mich drei Stunden später auf dem Weg ins Athletik Zentrum beinahe mit einer Pirouette auf die eisglatte Strasse gelegt hätte. Aufgrund meiner momentanen Situation an der Uni, wo ich noch bis Ende März meine Abschlussprüfungen schreibe, durfte ich nicht allzu viel vom Wettkampf erwarten, nichtsdestotrotz wollte ich schon herausfinden, inwiefern sich die Technikumstellungen und Trainingsreize seit dem Trainingslager in Südafrika ausgewirkt haben.

Meine Herausforderung bestand deshalb hauptsächlich darin, die Anlaufgeschwindigkeit, welche ich im Training spürbar verbessert habe, auch im Wettkampf hinzubrettern. Nach den ersten beiden Sprüngen musste ich jedoch zuerst ein Déjà-vu der letztjährigen Outdoor Meisterschaft überwinden, denn beide Versuche waren übertreten. Im dritten setzte ich einen Sicherheitssprung vor dem Brett auf 15.78m und hatte das Gefühl, die Geschwindigkeit langsam im Griff zu haben. Durch die leichte Verunsicherung im Anlauf gelang mir bis zuletzt leider kein wirklich zufrieden stellender Sprung. Entweder war der letzte Schritt übertreten oder ich musste mich zu sehr strecken, wodurch die Absprungposition flöten ging.

Dass ich im fünften Versuch mit einem einigermassen getroffenen Brett, jedoch einer leichten Schräglage im zweiten Teilsprung doch noch auf 16.09m kam stellt mich schlussendlich insofern zufrieden, dass meine körperliche Verfassung zurzeit trotz dem Prüfungsstress sehr gut ist. Es war hauptsächlich ein Kraftsprung und entsprach nicht den Techniktrainings der letzten Wochen, welche kontinuierlich besser wurden.

Einmal mehr musste ich somit daran erinnert werden, dass mir der erste Wettkampf vor zwei Wochen in Magglingen, auf welchen ich bekanntlich verzichten musste, schlicht und einfach in den Beinen fehlte. Mit diesem wäre die Anreise nach St. Gallen einiges erfahrungsreicher gewesen, was die Wettkampfhärte und die Zusammensetzung der Trainingsreize betrifft. Somit verliess ich die Sandgrube erst nach einem Moment der Kontemplation, um den Wettkampf richtig deuten und sich natürlich auch ein bisschen über meinen 8. nationalen Titel – den 5. in Folge – freuen  zu können :-)

© Twitter@lcbruehl

Immerhin weiss ich nun, dass die Form absolut stimmt, die Trainingsreize der letzten Monate richtig gesetzt wurden und es so absolut weitergehen darf.

Nun folgt erst mal eine physische Erholungs-/ psychische Anstrengungswoche, wonach es schon sehr bald, nämlich anfangs April ins Trainingslager geht. Es gibt noch viel zu tun. In Südafrika konnte ich bereits den Rahmen des Puzzles bestimmen, gefolgt von einem klar deutlichen Bild meiner Form in St. Gallen. Es fehlen nun noch ein paar Wochen, um das ganze zu komplettieren. Ich bin bereit, zu tüffteln und hart zu arbeiten.

So long, x

Let there be light (oder einfach ein paar neue Graphiken)

Nach ein paar Jahren gravity sucks.ch war eine kleine graphische Erneuerung längst fällig. Das Resultat seht ihr nun vor euch. Obwohl die Website noch nicht ganz fertig ist und ein paar Pages noch geupdated werden müssen, wollte ich nicht mehr zuwarten. Es war Zeit, sich vom alten Look zu verabschieden und die neuen Features zu ergreifen.

Die einzelnen Pages werden in den nächsten Tagen und Wochen nacheinander aufgearbeitet. Noch grösser, detaillreicher und aktueller! Here we go!

Erster und letzter Wettkampf diesen Winter

Den vor zwei Wochen geplanten ersten Start in der diesjährigen Hallensaison am GGB-Meeting in Magglingen musste ich bereits nach dem Einspringen vorzeitig beenden, da ich an diesem Tag über ein äusserst ausgeprägtes Stabilitätsbewusstsein verfügte und mir den Fuss vertrat. Die leichte Überdehnung des äusseren Bandes am Sprunggelenk erzeugte zwar eine leichte Schwellung und Verfärbung, doch das ganze war nach drei Tagen wieder in Ordnung und ich konnte am darauf folgenden Freitag bereits wieder ein Sprung-Training absolvieren.

Morgen werde ich dementsprechend ohne Test direkt an den Hallenmeisterschaften in St. Gallen starten und dies zu einer Zeit, was für meine Wettkampfempfindungen tief in der Nacht bedeutet, 10.00 Uhr. Um in der Lage zu sein, um 08.30 Uhr ein Einlaufen zu beginnen, habe ich diese Woche die Trainings bereits etwas vorverschoben, was mir der Körper nicht immer mit Wohlwollen beantwortete. Nun egal, morgen werde ich einen besseren Eindruck über meinen momentanen Formstand erfahren und genauer beurteilen können, wie gut ich auf das Training diesen Winter reagiert habe. Die letzten Wochen verliefen gut und die intensiven Technik-Trainings versprechen einen guten Wettkampf, hoffentlich auch mitten in der Nacht:-)

Link zur Homepage der Hallen-Schweizermeisterschaft in St. Gallen

Saisonrückblick

Wenn die letzten Dezemberwochen traditionell die Zeit sind, in der wir gerne unsere Gedanken zum vergangenen Jahr und die Listen mit den Tops und Flops machen, so habe ich mir bewusst etwas Zeit seit dem eigentlichen Saisonende genommen, um vielleicht einen etwas objektiveren Abstand gewinnen zu können.
Hätte ich diesen Blog-Eintrag im September geschrieben, so wäre er stark verzerrt ins Negative gefallen, denn ich war und bin nach wie vor mit der Ausbeute der Saison 2011 nicht zufrieden.

Die Tatsache, dass ich mich im Wintertraining sehr gut fühlte und die Trainingsresultate auch dasselbe wiederspiegelten, ich an den Hallen-Meisterschaften aus dem Training und ohne Winter-Saisonplanung 2cm an die Limite für die Hallen-EM herankam, um dann im Sommer lediglich einen Wettkampf über 16m notitieren zu können und die Limite für die angestrebte Universiade nur mit zuviel Rückenwind erreichte, passte in meinem Kopf einfach nicht zusammen.

Heute, nach vielen Analysen auf dem Papier, vor dem Bildschirm und in meinen eigenen, verworrenen Gedanken, darf (und soll) auch gut sein. Die Gedanken kreisten oft um die Tatsache, dass in einer Disziplin wie dem Dreisprung eine kleine Ursache eine grosse Wirkung hat, oder anders gesagt, können viele kleine Ursachen den Rhythmus gehörig ins Stottern geraten lassen.

Ich habe meine Schlüsse aus der letzten Saison gezogen und werde einiges anders machen (und vieles wurde bereits umgesetzt, dazu mehr im ersten Eintrag im neuen Jahr), jedoch darf ich glücklicherweise auch anerkennen, dass vieles eben doch gepasst hat, das Leichtathletik-Zauberwort “Umsetzen des Trainings” jedoch weiterhin seine Gültigkeit behält. Irgendwie ist die Motivation beim “Nicht-wirklich-erreichen-der-Ziele” in keinster Weise kleiner geworden, weswegen es auch keinen Grund gibt, liegen zu bleiben.

Nichtsdestotrotz darf ich mit Stolz auf diese Leistungen zurückblicken:
Doppel-Schweizermeister (Halle und Outdoor)
Zweifacher Vize-Schweizermeister (Weitsprung und Hochsprung)
10. Rang an den Weltmilitärspielen in Rio de Janeiro (BRA)
Bei 12 Wettkämpfen 6 Mal Sieg und zwei Mal Zweiter

Ich erinnere mich gerne an den älteren Kraftraum in Südafrika mit all den Sprüchen an der Wand (z.B. “Succes is 80% failure”).
Nun gilt es, die 20% zu holen.

Ich wünsche allen, die sich hier meine Zeilen über das vergangene Jahr reingezogen haben (und mir, hehe) ein äusserst erfolgreiches Neues Jahr!

Und zum Schluss noch einer:
The tougher the competition
The greater the incentive
The stronger the motivation
The better the performance
The sweeter the victory.

In diesem Sinne, let there be toughness!

Der Sonne hinterher…

Diesen Herbst habe ich an den doch öfters mal nassen und vor allem kalten Sommer 2011 in der Schweiz gedacht und mich entschlossen, diesen Winter einen Teil meines Aufbautrainings und das erste Trainingslager der Saison 2012 für zwei Wochen in Südafrika, genauer Potchefstroom, zu absolvieren und so mein Anrecht auf genügend Sonne und warme Temperaturen einzufordern.

Nein, natürlich reifte diese Entscheidung bereits früher, damit die Vorfreude gehörig zelebriert werden konnte. Mittlerweile befinde ich mich in der zweiten Woche des Trainingslagers und darf getrost behaupten, dass sich meine erste Reise südlich der Sahara weit mehr als gelohnt hat. Grandioses Wetter (in your face, Swiss winter!), eine Leichtathletikanlage mit Grassbahn (gelenkschonender) und ein Kraftraum, welcher von der Anzahl der Gewichte und den Maschinen keinerlei Wünsche offen lässt (bei einigen weiss ich nach mehrmaligem Studieren immer noch nicht, für was die genau sind).

Ausserhalb des Trainings sind wir in einem kleinen, äusserst empfehlenswerten Guesthouse von Marcus und Wanda Kruger (dem Ons Spens Guesthuis) untergebracht, wo einem jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird. An dieser Stelle einen Gruss an den Riehener Speerwerfer Nicola Müller: Die Schweizer Präsens im Ons Spens wurde erfolgreich ausgebaut:-)

Auch die ersten zwei Techniktrainings sind sehr gut trotz den Backofentemperaturen über die Bühne gegangen und ich konnte bereits äusserst wertvolle technische Änderungen in die Sprünge bringen. Genaueres dazu in einem der folgenden Einträge.

Der einzige Negativpunkt ist wieder mal mein unterer Rücken, welchen ich noch vor dem Hinflug im Krafttraining etwas zu stark strapaziert hatte und die so resultierte, kleine Einschränkung in der Beweglichkeit des unteren Rückenbereichs mit in den Süden genommen habe. Die positive Seite: das morgendliche Rumpfprogramm vor dem Frühstück erfüllt auch gleich noch seinen Zweck, die Partie zu mobilisieren, aber der Gang in die Physio bei Claudio ist nicht mehr wegzudenken (und nein, für alle logisch Versierten: es liegt nicht am Rumpfprogramm…:-)

Da die Internetgeschwindigkeit hier an die 90er erinnert werde ich zunächst nur ein, zwei Photos raufladen, die restlichen folgen am Wochenende von zuhause aus.

Bis Ende Jahr werde ich meine Homepage einem kleinen Facelifting aussetzen sowie meinen Saisonrückblick als auch viel mehr den -ausblick erläutern.

Bis dann:

Let there be sweat and tears!